„Man muss seinen Kopf einsetzen“

Qualifizierung „Comeback@50“ im C+P Bildungszentrum hat nachhaltigen Erfolg


Erst vor wenigen Monaten erhielten elf „Comeback@50“-Teilnehmer ihre Zertifikate als CNC-Fachkraft (diese Zeitung berichtete). Das spezielle Ausbildungs- und Qualifizierungsangebot für ältere Arbeitssuchende wurde vom KreisJobCenter (KJC) Marburg und der C+P Bildung GmbH durchgeführt. Über den nachhaltigen Erfolg dieser Maßnahme informierte sich nun der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern vor Ort im C+P Bildungszentrum. Mit dabei waren Verantwortliche, Teilnehmer und Arbeitgeber, die von ihren Erfahrungen berichteten.

McGovern, in dessen Zuständigkeit das KJC liegt, erläuterte zu Beginn die Intentionen des Landkreises, die der Maßnahme zugrunde liegen. Einerseits gehe es um eine Perspektive für die älteren Arbeitnehmer, welche wieder in den Arbeitsprozess integriert werden sollen. Dies stelle eine der wichtigen Säulen im persönlichen Leben dar. Andererseits gebe es im Landkreis viele erfolgreiche Unternehmen, die Fachkräfte brauchen. Die „tolle Kooperation“ mit dem C+P Bildungszentrum, für die sich McGovern ausdrücklich bedankte, habe eine wichtige Besonderheit: „Wer hier ausgebildet wird, hat gute Aussichten auf einen Job, weil viele Unternehmen hinten dran stehen.“ Diesen Netzwerk-Gedanken konnte Bernd Feige, Geschäftsführer der C+P Bildung GmbH, nur bestätigen: Der Verbund von 60 Mitgliedsbetrieben des Bildungszentrums sei ein entscheidender Vorteil für die Teilnehmer bei der Vermittlung von Praktika und wichtigen Kontakten zu potenziellen Arbeitgebern.

Dr. Pia Hoppe vom KJC kam zusätzlich auf die Situation von Langzeit-Arbeitslosen zu sprechen, welche besonders von „Comeback@50“ profitiert hätten. Da Arbeitslosigkeit auf Dauer krank mache, gehe es darum, Menschen wieder in Arbeit zu bringen, nicht, sie aus irgendeiner Statistik heraus zu bekommen.

Dass das gelungen ist, konnte Hoppe sogleich belegen: Von den 11 Teilnehmern hätten in dieser kurzen Zeit bereits vier eine sozialversicherungspflichtige Arbeit gefunden. Weitere drei befänden sich im Anfragestatus und würden voraussichtlich noch dieses Jahr in Lohn und Brot kommen. Bei den anderen Teilnehmern ist eine betriebliche Fortbildung angedacht. Die Voraussetzung für den Erfolg am Arbeitsmarkt wurde ebenfalls deutlich: Es gehe um eigenes Engagement.

Wie das aussehen kann erläuterte Siegfried Krug aus Breidenbach-Niederdieten. Der gelernte Schreiner und frühere selbstständige Architekt kam als vollkommen Branchenfremder in den Lehrgang zur CNC-Fachkraft – ein Bereich, mit dem er sich am wenigsten auskannte. Darin sah er aber auch eine Chance. „Man muss seinen Kopf einsetzen“, so beschreibt Krug die Herausforderung, mit über 50 nochmal einen ganz anderen Weg zu gehen. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten absolvierte er die Ausbildung bis zum Schluss und ist nun bei der Firma Michel & Schneider in Breidenbach beschäftigt. Deren Chef Winfried Schneider lobte das Engagement des neuen Mitarbeiters, den er bereits im Praktikum kennen lernen konnte. Der dort gewonnene gute Eindruck ermutigte ihn, Krug eine Chance zu geben, sich in einer festen Anstellung weiterzuentwickeln.

Als weiterer Teilnehmer erzählte Dietmar Grimm aus Breidenbach-Wiesenbach von seinen Erfahrungen. Er war gelernter Koch und führte 16 Jahre lang selbstständig als Pächter ein Restaurant. Durch den familiär bedingten Umzug nach Hessen kam er mit „Comeback@50“ in Kontakt und war zuerst „geschockt“ vom Ausbildungsgang zur CNC-Fachkraft. „Nach einer Woche dachte ich: Das schaffst du nie.“ so Grimm. Trotzdem habe er weitergemacht, in der Zeit vor der Prüfung bis in die Nacht hinein gepaukt – mit Erfolg. Auch er befindet sich jetzt in Arbeit und erfreut sich an geregelten Arbeitszeiten, die in seiner Zeit als Restaurantpächter illusorisch gewesen seien.

Bernd Feige nahm den Ball auf und lobte das Durchhaltevermögen der Teilnehmer. Es habe sich bewahrheitet, dass die Erfahrung und auch die Sozialkompetenz älterer Arbeitnehmer ein großer Vorteil sei. Das konnte auch Gabriele Henkel von GEA bestätigen, bei der Grimm sein Praktikum absolvierte. Zuerst habe man das mit Skepsis betrachtet, nun aber würde man es jederzeit wieder tun.

Weitere Maßnahmen von „Comeback@50“ seien für 2013 geplant, ergänzte Pia Hoppe abschließend. Dabei gehe man ausschließlich bedarfsorientiert vor. Die Frage sei: Welche Fachkräfte brauchen die Unternehmen? Diese Bedarfsorientierung war offenbar auch ein Erfolgsrezept des kürzlich zu Ende gegangenen Kurses. Und die Berichte machen Mut für künftige Lehrgänge.